Von Köln nach Teneriffa: Leben & Arbeiten auf der Sonnenseite

Was für viele wie ein Traum klingt, ist für Eva Schubert Realität geworden: Sie lebt und arbeitet auf Teneriffa. Ihren 9-to-5-Job hat sie eingetauscht gegen ein Jobsharing-Arbeitsmodell in Teilzeit. Von der Sonneninsel aus. Und noch immer fest angestellt. So genießt sie viele Vorzüge als Arbeitnehmer und kann sich trotzdem den Traum von einem Leben im Ausland erfüllen. Wie es dazu kam und wie sie ihren Chef von der Idee überzeugt hat, berichtet sie uns in diesem Beitrag.

Ich liebe das Meer, die Berge, die Sonne. Ich bin glücklich, wenn ich draußen in der Natur sein kann. Mit dem Fulltime-Job als Social Media Koordinatorin mitten in Köln ist das schwierig zu vereinbaren. Meine Wochenenden und Feierabende waren vollgepackt mit Bulli-Touren, Kitesurf-Wochenenden und Treffen mit Freunden. Die Urlaube fühlten sich an wie ein Tropfen auf dem heißen Stein: einfach viel zu kurz.

Was will ich eigentlich?

Die innere Stimme in mir wurde immer lauter: Warum kann ich an den schönen Orten dieser Welt nicht leben, anstatt dort nur Urlaub zu machen? Für meinen Job brauche ich doch lediglich ein Laptop, Smartphone und eine gute Internetverbindung. Fast all meine Aufgaben erledige ich online.

Ich habe mich immer öfter gefragt: Wie viel Zeit verbringe ich im Büro? Wie wenig Zeit bleibt zum Leben? Ich mag meinen Job, liebe Köln vor allem im Sommer, aber dennoch wurde die Sehnsucht immer größer: Ausbrechen aus dem Hamsterrad. Neues entdecken. In einem anderen Land leben, wo das Meer nah ist. Ich sehnte mich nach mehr Zeit für persönliche Entfaltung und soziales Engagement. Doch wie sollte das gehen, wenn ich nicht kündigen möchte?

Der Entscheidungsprozess: Welches Land soll’s werden?

In dieser Zeit wächst in mir der Traum von einem Leben im Ausland. Bali, die Dominikanische Republik, Südafrika – ich schwebte wochenlang in Gedanken an ferne Ziele. Doch eine Frage blieb: Lässt sich mein Job mit einem solch fernen Ziel vereinbaren? Eine andere Zeitzone, teure Flugtickets und Visa-Bestimmungen machen es nicht unbedingt einfach. Was wäre mit Europa? Wo lässt es sich auch im Winter gut aushalten?

“Du bereust nur die Dinge, die du nicht getan hast!”

Die Wahl fiel schließlich auf Teneriffa. Die größte Insel der Kanaren lockt mit dem wohl besten Klima der Welt. Die Temperaturen liegen das ganze Jahr zwischen 20 und 30 Grad. Dazu ist Teneriffa ein wahres Outdoorsport-Paradies und bietet eine gute Infrastruktur. Viele Gründe sprachen für Teneriffa als neue Wahlheimat inmitten des Atlantiks und mein Entschluss stand fest: Ich möchte in Teilzeit, weiterhin festangestellt, ein Jahr von Teneriffa arbeiten.

So überzeugte ich den Chef

Nun folgte der schwierigste Teil: meinen Chef von den Plänen zu überzeugen. Vor dem Termin pochte mein Herz wie verrückt. Offen und ehrlich erzählte ich ihm von meinem Wunsch, ein Jahr im Ausland zu leben und mehr Zeit für soziales Engagement zu haben. Statt meinen Job zu kündigen, wollte ich beweisen, dass das Arbeiten aus der Ferne funktioniert.

Ich legte ihm ein Konzept vor, wie das neue Arbeitsmodell aussehen könnte. Darin enthalten waren meine Aufgaben und Ziele sowie browserbasierte Tools und Kommunikationsmittel, mit denen ich aus dem Homeoffice arbeiten würde. Außerdem bot ich an, für wichtige Termine auf eigene Kosten zurück nach Köln zu fliegen. Auf der persönlichen Ebene konnte mein Chef mich zwar verstehen, jedoch zweifelte er daran, dass es ohne meine Vor-Ort-Präsenz funktionieren würde. Dafür hatte ich einen Lösungsvorschlag: Job-Sharing.

Die Antwort, die mein Leben veränderte

Trotz der anfänglichen Skepsis meines Vorgesetzten, konnte ich innerhalb des Unternehmens einen geeigneten Job-Sharing-Partner finden. Es folgten Wochen der Ungewissheit mit sämtlichen Gesprächen bis hoch zum CEO. Als dieser mich fragte: „Was ist nach dem Jahr, kommst du zurück?“ und ich bejahte, erhielt ich die Antwort, die mein Leben veränderte: „Okay, dann kannst du das machen.“ Das Unglaubliche wurde Realität! Als erste Mitarbeiterin des Traditionsunternehmens erhielt ich diese Möglichkeit.

Nun musste alles schnell gehen: Nach Feierabend suchte ich einen Nachmieter für die Wohnung, erledigte Arztbesuche und mistete aus. Die letzten Wochen vor dem Abflug waren taff, doch die Vorfreude auf das neue Leben auf Teneriffa machten alle Anstrengungen wett. Bepackt mit zwei Rucksäcken flogen mein Freund und ich Anfang des Jahres endlich nach Teneriffa.

Endlich am Ziel: Leben & Arbeiten auf Teneriffa

In den ersten Wochen auf Teneriffa drehte sich alles um Organisatorisches. Wir mussten uns von Grund auf alle Strukturen aufbauen. Eine Wohnung, Möbel, Internetanschluss und ein Auto mussten her. Außerdem standen viele nervenaufreibende Behördengänge an. Nach einem Monat mit vielen Ups und Downs war es dann endlich geschafft: Eine schöne Wohnung mit traumhafter Dachterrasse direkt am Meer ist seither unser neues Zuhause.

“Ich habe so fest daran geglaubt und mein Ziel mit einer solchen Willenskraft verfolgt, dass mein Plan aufging.”

Von Woche zu Woche fühle ich mich heimischer auf Teneriffa. Das Arbeiten im Coworking-Space in der Hauptstadt Santa Cruz klappt super und an den Wochenenden stehen Entdeckungstouren auf der Insel an. Ich verbringe viel Zeit in der Natur, gehe nach der Arbeit Kitesurfen oder Wandern, und engagiere mich im Naturschutz und lerne Spanisch – ein lang gehegter Wunsch. Die neuen Freundschaften werden immer enger und das Inselleben genieße ich in vollen Zügen.

Regelmäßige Besuche in Köln

Das Arbeiten aus dem Ausland klappt ohne Probleme. Dank Chats und regelmäßigen Telefonaten mit meiner Jobsharing-Partnerin bin ich immer auf dem Laufenden. Im Homeoffice arbeite ich sogar produktiver als zuvor. Es gibt keine Ablenkungen, keine langwierigen Meetings oder ständig klingelnde Telefone wie zuvor im Großraumbüro. Die Kehrseite der Medaille ist, dass der direkte, persönliche Kontakt zu den Kollegen fehlt. Die Geschehnisse im Unternehmen bekomme ich heute am Telefon erzählt, erlebe sie nicht mehr selbst. Die gemeinsamen Mittagspausen vermisse ich manchmal. Dafür sind meine regelmäßigen Vor-Ort-Besuche im Büro, etwa alle zwei, drei Monate, umso intensiver. Und das Feedback meiner Kollegen und des Chefs ist durchweg positiv: Die Arbeit läuft, die Aufgaben werden erfüllt und vor allem in Urlaubs- und Krankheitszeiten zeigt das Jobsharing-Modell seine Stärken.

Mein Fazit:
Im Ausland nicht nur Urlaub zu machen, sondern zu leben, ist eine wahnsinnig bereichernde, schöne Erfahrung. Diesen Schritt gegangen zu sein, hat Mut erfordert, aber es hat sich allemal gelohnt! Rückblickend betrachtet, war es gar nicht so schwer. Ich freue mich auf alles, was noch kommt.

Eva ist angestellte Social Media Koordinatorin bei einem Kölner Unternehmen. Sie lebt und arbeitet auf Teneriffa. In ihrem Blog http://aufdersonnenseite.de berichtet die 30-Jährige Rheinländerin über das Leben & Arbeiten auf Teneriffa.
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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Ich bin gerade nach Köln gezogen und dieser Beitrag macht echt Lust auf Teneriffa… naja, wenigstens steht hier erstmal der Sommer an 🙂

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