Einmal um die Welt und zurück zu mir

Vor ein paar Wochen erhielten wir eine Mail von Joachim. Er hat seinen Job gekündigt und reist jetzt um die Welt. Unterwegs arbeitet er mit unserem Buch. Wir waren so beeindruckt, dass wir ihn baten, seine Geschichte auszuschreiben. Dies hier ist sein Bericht.

Mein Name ist Joachim In der Smitten. Ich bin 55 Jahre alt und von Beruf Ingenieur der Elektrotechnik. Ich habe 2015 meinen Job gekündigt und mich dazu entschlossen eine einjährige Auszeit zu nehmen, um die Welt zu bereisen. Gerade befinde ich mich in Kolumbien und schreibe meine Geschichte auf.

Warum mache ich das? Hauptsächlich treibt mich der Wunsch an, aus dem Alltag auszubrechen. Ich möchte mich vom Leben und den Leuten, die ich unterwegs treffe, inspirieren lassen. Ich will die Grenzen meiner bisherigen „Denke“ einreißen und eine Basis schaffen, die Platz hat für etwas Neues. Für das, was ich wirklich bin, was wirklich zu mir passt.

Den Ausschlag zu dieser Entscheidung gaben Veränderungen in meinem Job. Vor einigen Jahren wurde der Teil der Firma, in dem ich gearbeitet habe, an Investoren verkauft. Die haben diesen Bereich „gesundgeschrumpft“ – auf Kosten der Menschlichkeit. Irgendwann war die Arbeitsatmosphäre für mich absolut nicht mehr stimmig. Ich musste mich fragen: Will ich für eine “gesicherte” Pension die nächsten 12 Jahre in einem Wertesystem arbeiten, das nicht zu mir passt? Oder mit 55 Jahren nochmal von vorne anfangen und mich auf die Suche nach einer Aufgabe machen, die zu mir passt, die für mich stimmig ist und die mich erfüllt?

Ein Monat, ein Land

Die Entscheidung fiel mir nicht leicht. Sicherheit ist mir sehr wichtig. Ich habe mich dennoch für den Neuanfang entschieden. Gleichzeitig hatte ich nicht den blassesten Schimmer, wie es weitergehen soll. Mal dachte ich mir “Irgendwie bekommst du das schon hin”. Dann habe ich wieder gezweifelt und dachte nur “Bist du verrückt, was machst du da bloß?”.

Inzwischen habe ich viele Kilometer zurückgelegt. Mein Motto lautet seither: “Einmal um die Welt und zurück zu mir – alles darf, nichts muss.” Ich möchte meinen Horizont öffnen, experimentieren, mich erleben und herausfinden, was zu mir passt. Ohne Plan – die einzige Regel lautet: Ein Monat, ein Land. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich 100 Prozent frei bin. Keiner sagt mir, was zu tun ist, außer ich mir selbst. Für einen Menschen, der gerne plant, ist es nicht immer einfach, sich auf das Ungewisse einzulassen.

Bis jetzt habe ich Bali, Neuseeland, Australien und Fiji bereist, bin den 800 Kilometer langen Jakobsweg in Nordspanien gelaufen, habe einen Spanisch-Intensivkurs im Westen Andalusiens gemacht, habe New York und San Francisco besucht, bin entlang der Westküste der USA, dann nach Mittelamerika. Jetzt im letzten Teil meines Abenteuers reise ich durch Südamerika.

Der inneren Stimme vertrauen

Ich habe in dieser Zeit so viel erlebt, einiges über mich erfahren und eine Menge ausprobieren können. Viele meiner ursprünglichen Träume und Ideen sind dabei den Bach ‘runter gegangen. Ich habe sie getestet und dann sehr oft feststellen müssen, ups, das ist es ja doch nicht. Klar war ich manchmal enttäuscht, aber es war immer eine gute Erfahrung. Ich weiß jetzt besser, was zu mir passt. Die Liste meiner persönlichen Erkenntnisse und Erfahrungen ist groß.

Ich möchte meinen Horizont öffnen, experimentieren, mich erleben und herausfinden, was zu mir passt.

So habe ich gelernt, meiner inneren Stimme zu vertrauen und ihr zu folgen. Auch wenn ich das von meiner Vernunft her nicht immer nachvollziehen konnte. Sie hat mich immer an die richtigen Stellen in meinem Leben gebracht und so manches mal musste ich erfahren: Je steiniger der Weg, desto erkenntnisreicher die Erfahrung. Genau solche Erlebnisse sind Gold wert auf dem Weg zu mir.

Jetzt bin ich mehr als zwölf Monate unterwegs. Seit einiger Zeit merke ich, dass es Zeit war, die vielen Eindrücke und Erkenntnisse zu sortieren. Alles schwirrte ungeordnet und chaotisch in meinem Kopf und meinem Herzen herum. Über einen Freund aus Hamburg bin ich auf das Buch “Design Your Life” aufmerksam geworden und arbeite seitdem viel damit auf meiner Reise.

Mit “Design Your Life” auf Weltreise

Das Buch hilft mir, meine Erkenntnisse zu strukturieren, sie zu sammeln und mir zu verdeutlichen. Ich habe jetzt Schwarz auf Weiss, geordnet und deutlich, wo meine Talente, Interessen, Werte liegen und was meine Rahmenbedingungen sind. Mir ist jetzt klar geworden, was in meinem bisherigen Leben gefehlt hat, was wichtig für mich ist und was ich verbessern möchte. Es ist mir sehr deutlich vor Augen: So, wie es war, hätte es nicht weiter gehen können. Ich habe definitiv die richtigen Schritte unternommen. Schön, wenn ein starkes inneres Gefühl dann doch mit Fakten untermauert wird.

Wie arbeite ich unterwegs mit dem Buch? Vor allem auf meinem iPad mit Reisetastatur und einem Mini-Notizbuch, das ich immer bei mir trage. Ich lasse mir viel Zeit für jede Aufgabe. Nehme sie in Gedanken mit, wenn ich auf Trekking-Touren bin oder bei einsamen Spaziergängen in wunderschöner, ruhiger Natur. Wann immer ich eine Idee habe, notiere ich sie in meinem Notizbuch und arbeite die Idee “zu Hause” weiter aus.
Manchmal diskutiere ich auch einzelne Sachen, die mich beschäftigen, mit Leuten, die ich unterwegs treffe. Viele machen sich ähnliche Gedanken, ich nutze ihr Feedback oder ihre Erfahrungen für meine Ideen. Über E-Mail, Whatsapp und Skype bin ich in engem Kontakt mit meinen Freunden zu Hause, die mir immer wieder mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Auch wenn ich noch nicht exakt weiß, wo es hingeht, freue ich mich auf das, was noch kommt und genieße das Gefühl, immer näher zu meinem wahren ICH zu gelangen und immer mehr den Mut zu haben, es auch zu leben.

Viele liebe Grüße aus den Bergen Kolumbiens,

Joachim

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

André Panné
22. Februar 2017 17:13

Gratuliere Joachim! Das ist beachtenswert und mutig, und gleichzeitig doch so einfach und sinnvoll.

Wie irrsinnig ist doch manchmal unsere Realität: Wir leben in einem der freiesten Länder auf der Erde und doch lassen wir uns kulturell und aufgrund von anerzogenen Verpflichtungsgefühlen in unvorstellbare Scheinabhängigkeiten bringen.

Wir müssen Alle lernen frei zu sein. Und ich meine nicht die Freiheit, nach Malle zu fliegen. Sondern die innere Freiheit, das zu tun, was man für richtig hält. Und das nicht zu tun, was man als falsch erkannt hat.

Nur dann können wir das Beste für uns und für Alle aus uns selbst herausholen. Nur dann gibt es Hoffnung auf kontinuierliche Verbesserung nicht nur unseres eigenen Lebens, sondern unserer Gesellschaft.

Bravo! Mögen vielen Deinem Weg folgen!

André

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