How to… Design a Life

“There is a big difference between planning a life,
drifting through life and designing a life.”

Bäm! Als ich 2009 Change by Design von Tim Brown in die Hände bekam, hat mich dieser Satz förmlich umgehauen. Ich war damals selbst sehr gut darin, Karriere-Pläne zu schmieden und sie konsequent abzuarbeiten. Mein Credo damals: Keine Experimente, kein Testen. Scheitern, um daraus zu lernen? Nein, danke! Ich war der Typ für große Pläne, aber nicht für smarte Prototypen.

Heute weiß ich: Ein Leben kann man nicht am Schreibtisch planen und dann einfach in die Tat umsetzen. Man muss es sich erleben. Die Professorin der London Business School Herminia Ibara formulierte das einmal so:

“We learn who we are by testing reality, not by looking inside. To launch ourselves anew we need to get out of our heads. We need to act.”

Design Thinking kann uns bei dieser Challenge helfen. Wenn wir nämlich Mindset und Methoden auf das vielleicht wichtigste und persönlichste Projekt anwenden, das es gibt: das eigene Leben. Wie das gehen kann, zeigen die folgenden drei Bücher.

Creative Confidence: Unleashing the Creative Potential within Us All (David & Tom Kelley)

Das erste Buch stammt von den Kelley-Brüdern, zwei “Gründerväter” des Design Thinkings. Und als solche räumen sie auch gleich mit dem Mythos auf, Kreativität und Innovationskraft sei die Gabe einiger Auserwählter. Jeder kann das, so die Kelleys, sofern dieser Muskel trainiert wird. Und da liege auch das Problem: Im Laufe unseres Lebens werden uns Neugier und Entdeckerlust, die uns als Kinder noch auszeichnen, konsequent abgewöhnt. Mit ihrem Buch helfen die Autoren uns dabei, die Freude daran wieder neu zu entdecken. Dazu trägt, neben den vielen Case Studies aus Design Thinking-Projekten, vor allem ihr ansteckender „Do-Something-Mindset“ bei. Am stärksten finde ich das Buch daher immer dann, wenn die Kelleys den Design Thinking-Mindset auf die konkrete Lebenspraxis beziehen: „People with creative confidence recognize that waiting for a perfect plan or forecast might take forever, so they move forward, knowing they will not always be right but optimistic about their ability to experiment and conduct corrections further down the road.”

Mein Fazit: Ein Buch, das dazu ermutigt, aus- und aufzubrechen, bestehende Muster und Konventionen zu hinterfragen und das Drehbuch für das eigene Leben selbst zu schreiben. Wer glaubt, er sei nicht kreativ/innovativ, sollte dieses Buch unbedingt lesen!

The Achievement Habit: Stop Wishing, Start Doing, and Take Command of Your Life (Bernard Roth)

Buch Nummer zwei stammt auch aus der Feder eines Design Thinking-Schwergewichts. Im Jahr 1969 (!) bietet Autor Bernard Roth an der Stanford University zum ersten mal den Kurs “Designer in Society” an und legt damit vielleicht den Grundstein des Life Designs. Fast vierzig Jahre später schreibt er dann dieses Buch, dessen Grundhaltung der Subtitle präzise auf dem Punkt bringt: Stop Wishing, Start Doing. Man merkt auf jeder Seite, dass hier jemand aus einem unglaublich großen Erfahrungsschatz schöpft. Das Buch strotzt nur so von Anekdoten, praktischen Beispielen, aber ebenso von Übungen, Methoden und eine Menge toller Mindhacks. Roth hat dabei eine Mischung aus Ratgeber, Autobiographie und Sachbuch geschrieben, in die er seine eigene Lebensgeschichte immer wieder einwebt. Mich hat das angesprochen, wer aber einen klaren Leitfaden sucht, wird hier vielleicht enttäuscht sein. Alle anderen treffen auf einen Autor, der uns sehr wertschätzend, ja fast liebevoll, seine Botschaft vermittelt: Wir haben es selber in der Hand, unser Leben jederzeit neu zu gestalten. Roth macht Lust darauf, das sofort auszuprobieren.

Mein Fazit: Es muss life changing sein, Bernard Roth in seinem Kurs zu erleben. Wer dieses Glück nicht hat, sollte sich aber nicht ärgern, sondern sich über dieses Buch freuen, das einem wie ein erfahrener Mentor zur Seite steht, niemals drängt, sondern erfreut und ermutigt, alte Pfade zu verlassen und Neuland zu entdecken.

Design Your Furure Playbook (Michael Lewrick, Jean-Paul Thommen, Achim Schmidt)

Das dritte Buch fällt konzeptionell und optisch etwas aus der Reihe – ist aber nicht minder interessant. Unter dem Label der aktuell angesagten „Playbooks“ begleiten die Autoren Lewrick und Thommen den Leser auf seiner Reise in eine selbstbestimmte und – wie sie selbst sagen – erfüllte Zukunft. Im Vergleich zu den beiden oben genannten Büchern nehmen die Autoren den Leser dabei deutlich mehr an die Hand und führen ihn stringent entlang des Design Thinking Prozesses, um damit das eigene Leben zu designen. Überzeugt hat mich, dass die Autoren sich nicht scheuen, über den Tellerrand des Design Thinking zu schauen und Methoden der Positiven Psychologe oder des Systemischen Coachings zu integrieren – ein Schritt, von dem der Leser profitiert. Abgerundet wird das Konzept durch die Visualisierungen von Illustrator Achim Schmidt, die das Durchlesen bzw. Durcharbeiten locker und flüssig gestalten.

Mein Fazit: Man sieht sofort, hier hat sich jemand Gedanken um den Leser gemacht. Es macht einfach Spaß von Seite zu Seite zu blättern und mit Hilfe eines breiten Methodenmixes an der eigenen Zukunft zu arbeiten. Es gibt Bücher, die man nach dem Lesen wieder ins Regal stellt und vergisst – dieses zählt sicher nicht dazu.

Leben als “Wicked Problem”

Ich selber habe mit Life Design tolle Erfahrungen gemacht und bei vielen anderen Menschen gesehen, das unglaubliche Dinge geschehen, wenn man anfängt, sein Leben aus dieser Perspektive zu betrachten. Wer sich mit Life Design beschäftigen will, findet mit diesen drei Büchern meiner Ansicht nach eine fundierte Grundlage, was den Mindset, aber auch die Tools angeht. Unser eigenes Buch zum dem Thema möchte ich dir natürlich nicht vorenthalten: Design Your Life – Dein persönlicher Workshop für Arbeit und Leben. Aber egal, womit du startest, die Hauptsache ist, du startest. Am besten jetzt!

Viel Spaß!

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